Die Innere Mongolei auf der ‚Landkarte der Kunst’

Kunstzeitung 2008-04

Ai Weiwei lädt 100 internationale Architekten ins mongolische Ordos

Bisher war der zwei Flugstunden von Peking gelegene Wüstenort Ordos zwar bekannt für seinen Reichtum an Kohle, nicht aber Anziehungspunkt für internationale Kulturtouristen. Dies soll sich ändern, sind in den nächsten Monaten doch gleich mehrere Dutzend internationale Architekten damit beschäftigt, ihre Vorschläge für das Städtebauprojekt Ordos 100 mit der Planungsgruppe Jiangyuan Water Project Co. Ltd. vor Ort abzustimmen. Wie ernst es den Initiatoren mit ihrem Ziel ist, der Inneren Mongolei einen Eintrag auf der ‚Map of Art’ zu verschaffen wird u. a. durch die Entscheidung deutlich, den Masterplan für das gesamte Areal in die Hände des seit seinem Beitrag zum Bau des Pekinger Olympiastadiums auch als Architekten bekannten Künstlers Ai Weiwei zu legen. Geplant sind Villen, ein Hotel, ein Business-Center und sogar ein Opernhaus.

Mit mehr als hundert eingeflogenen Persönlichkeiten des internationalen Kulturbetriebs und Vertretern der Presse eröffnete im vergangenen August bereits das Ordos Art Museum, das mit seiner kubisch-reduzierten Architektur und einer Ausstellungsfläche von 2500 Quadratmetern ahnen lässt, welche Dimensionen für die folgenden Gebäude angedacht sind. Unter dem Titel Arrogance and Romance kuratierten der Berliner Galerist Alexander Ochs und die Direktorin seiner Pekinger Partnergalerie Tian Yuan die erste Schau, in der bereits etablierte Werke chinesischer Künstler mit einigen ausgewählten westlichen Positionen wie z. B. Andy Warhol, Jörg Immendorf oder Stephan Balkenhol zusammentrafen.

Ein gewagter Wurf ist das Projekt Ordos 100 zweifelsohne und der Auftakt verspricht spannende Entwicklungen für die weitere Zukunft. Wer wird hier leben, wer die Ausstellungen, Konzerte usw. besuchen. Welche Künstler werden das Artist-in-Residence-Programm des Museums wahrnehmen – die aus Peking bekannten Hofhaus-Atelierwohnungen von Ai Weiwei sind nahezu fertiggestellt? Wo im Westen aufwendige Nutzungspläne erstellt werden, beweist in China der Alltag von morgen, ob ein Projekt den Zeitgeist trifft oder als hybrider Wunschtraum scheitert.


Erstveröffentlichung: Kunstzeitung

Ordos 100

Beitrag im Online-Architektur-Magazin movingcities